Tag: 1. Mai 2021

Osterbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus‘ Kirill

Hochgeweihte Oberhirten, hochwürdige Priester und Diakone, allverehrte Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

An diesem ersehnten und heiligen Tag, der von der Osterfreude und von wunderbarem Licht erfüllt ist, wird von Mund zu Mund, von Herzen zu Herzen die lebensbegründende Freudenbotschaft weitergegeben:

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

Durch diese Worte bekennen wir den unerschütterlichen Glauben an Jenen, vor dem wir am Karfreitag beim Kreuz standen, Den wir zusammen mit den Jüngern und den myrontragenden Frauen beweint haben, indem wir vor dem Grabtuch beteten. Heute verkünden wir feierlich samt dem Engelheer, indem wir die Einheit der irdischen und der himmlischen Kirche zeigen: „Heute ist die Rettung für die Welt, denn Christus ist auferstanden, da Er allmächtig ist“ (Osterkanon, Irmos der 4. Ode).

Das Pascha des Herrn ist das lichteste Zeugnis der Weisheit Gottes und der maßlosen Liebe des Schöpfers für das Menschengeschlecht. Der Anfang der Geschichte war, wie wir wissen, durch eine geistliche Tragödie überschattet: durch den Fall der Ureltern wurden die Paradiesestüren für die Menschen geschlossen, Leiden und Tod wurden seitdem zu einer unausweichlichen Folge der menschlichen Sündhaftigkeit. Aber, auch wenn die Menschen die Gemeinschaft mit Gott – dem Quell des Lebens – einbüßten, waren sie Seiner Güte und Liebe nicht beraubt.

Zugleich, wie Nikolaos Kabasilas, ein Heiliger des XIV. Jahrhunderts schreibt, „war die Liebe Gottes maßlos, doch das Zeichen, das sie ausdrücken konnte, fehlte“ (Sieben Worte vom Leben in Christus, VI. Wort). Liebe erweist sich im Tun des Guten für den Nächsten und in der Bereitschaft, für ihn freiwillig Schwierigkeiten, Beengtheit und sogar Leiden zu erdulden, und der Erlöser zeigt beides auf. Durch seine Menschwerdung erneuert Er die durch die Sünde verdorbene menschliche Natur, durch seine Passion errettet Er uns von der Macht der Sünde. „So empfingen wir das Leben in Christus, – folgert der hl. Ephraim der Syrer, – kosteten den Leib des Herrn statt der Früchte des Baumes …, durch sein gerechtes Blut sind wir von der Verdammung gereingt und durch die Hoffnung auf die Auferstehung… leben wir Sein Leben“ (Auslegung der Vier Evangelien, 21).

Die Auferstehung des Heilands eröffnete die Pforte des himmlischen Reiches für die Menschheit und erfüllte unser irdisches Sein mit unvergänglichem Sinn. Der Herr schenkte Sich selbst allen an Ihn Glaubenden als das Muster der Tugend und erwarb Unverweslichkeit, damit alle Erretteten in Seine Fußstapfen treten, wie der hl. Maximos der Bekenner schreibt (Ambigua, 42). Und dafür sollen wir schon hier auf Erden lernen, die Luft der Ewigkeit zu atmen, indem wir den alten Menschen mit all seinem Tun ablegen (Kol 3, 9), unser eigenes Leben nach dem Evangelium ausrichten und an den Mysterien der Heiligen Kirche – der Erbin der großen Verheißungen Gottes – teilnehmen.

Der Glaube an die Auferstehung des Erlösers löscht die Flamme der Alltagsaufregungen und ermöglicht uns, uns über das Getümmel der Welt zu erheben, hilft uns, die Verlockungen der Sünden abzuwehren und die verschiedenen Ängste zu überwinden. Als Antwort auf die Göttliche Liebe sind wir aufgerufen, „Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ (1 Tim 1, 5) zu erweisen. Als Antwort auf Seine Barmherzigkeit – Erbarmen den uns Umgebenden zu gewähren. Als Antwort auf Seine Fürsorge – ein gesellschaftliches Leben in Einklang mit den hohen Idealen des Evangeliums zu fördern.

Die Osterfeier vereint geistlich Millionen von Christinnen und Christen, die in verschiedenen Ländern leben, indem sie nationale und staatliche Grenzen überwindet. Dieser vielstimmige irdische Chor lobpreist zusammen mit den himmlischen Heerscharen den Herrn Jesus, der für alle Sein Blut vergoss und durch den lebensbringenden Preis die Welt loskaufte (Oktoichos, Ton 6, Stichira am Samstagsmorgen).

Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert, Millennium für Millennium erklingt diese Danksagung sieghaft auf der ganzen Erde; sie erklingt trotz aller Versuchungen, Schwierigkeiten und Prüfungen. Auch heute hört sie nicht auf, da die Welt an der verderblichen Seuche leidet.

In der jetzigen komplizierten Zeit ist es besonders wichtig, diejenigen zu unterstützen, die krank und kraftlos sind, die Verluste von Verwandten und Mitmenschen betrauern, die den Lebensunterhalt einbüßten, die nicht in die Kirche kommen können. Lasst uns den Leidenden nach Kräften Hilfe leisten, lasst uns nicht gleichgültig an denen vorübergehen, die der menschlichen Gemeinschaft, der Aufmerksamkeit und Sorge bedürfen.

Erst vor kurzem konnten Viele von uns wegen der epidemiologischen Maßnahmen die Gottesdienste nicht besuchen. Die von uns erworbene Erfahrung zeigte, wie wichtig ist es, jede Möglichkeit zu schätzen und dafür zu nutzen, um am gemeinsamen Gebet, am Gottesdienst und den heiligen Mysterien teilzunehmen, vor allem an der Göttlichen Eucharistie, die uns mit Christus und miteinander vereint.

Meine Lieben, ich gratuliere euch herzlich zum Paschafest und wünsche euch starke Gesundheit und Gnaden vom Lebensspender Jesus. Möge der barmherzige Herr uns alle würdigen, an Ihm ausgeprägter teilzuhaben am abendlosen Tage Seines Reiches und freudig zu bezeugen:

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

CHRISTUS IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN!

† KIRILL
PATRIARCH VON MOSKAU UND DER GANZEN RUS‘

Osterbotschaft des Erzbischofs von Rusa Tichon, Leiters der Diözese von Berlin und Deutschland

An die Geistlichen, Mönche und Nonnen und die Laien
der Diözese von Berlin und Deutschland der Russischen Orthodoxen Kirche

Geliebte Väter,
ehrwürdige Mönche und Nonnen, liebe Brüder und Schwestern!

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!

Ich gratuliere Ihnen allen zum Fest des Heiligen Pascha. Unsere Herzen, übervoll von geistlicher Freude, freuen sich über den von den Toten auferstandenen Christus, den Lebensspender. Es gibt in der Welt keine andere Freude, die so universell ist wie die Freude, die die Osternacht schenkt! Es gab und gibt keine andere Nacht in der Dunkelheit anderer Nächte, in der wir so hell vom strahlenden Licht der Auferstehung Christi erleuchtet werden! Es gibt kein anderes Wort oder keinen anderen Gruß in unserer Sprache, der einen solchen Triumph des Geistes und eine solche Freude des Herzens hervorrufen kann wie unser Gruß in der Kirche am Paschafest: „Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden!“

Mit uns zusammen freut sich die ganze Schöpfung Gottes, das ganze Universum. Anders kann es nicht anders sein, denn die Auferstehung Christi hat „Freude der ganzen Welt“ gebracht, sie ist die Grundlage des christlichen Glaubens, in ihr liegt der Sinn des ganzen christlichen Lebens. In Jesus Christus haben sich die Prophezeiungen des Alten Testament verwirklicht, erfüllt haben sich genau die Verheißungen, die der Herr seinen Jüngern gab, als er von ihnen Abschied nahm und in den Tod und das Leiden am Kreuz ging. Als der Herr in den Hades hinabstieg, schlug er den Teufel, führte durch Seinen Tod die Gerechten, die auf Sein Kommen gewartet hatten, aus dem Hades heraus, erstand aus dem Grab und öffnete denen, die an Ihn glauben, die Türen des Himmlischen Königtums. Durch Seine Auferstehung hat der Herr Jesus Christus das Fundament für unsere Auferstehung gelegt, offenbart und bezeugt, dass Er der Eine Wahre Gott im Universum ist. Im Licht der Auferstehung Christi wird alles verständlich. In ihr ist eingeschlossen die Tiefe der Theologie und der Sinn des Lebens.

Jetzt ist alles mit Licht erfüllt: Himmel, Erde und Unterwelt. Die ganze Schöpfung soll die Auferstehung Christi feiern„, singen wir im Kanon des Heiligen Pascha. Wie sollte sich ein christliches Herz nicht über das größte Ereignis freuen – die Auferstehung Christi aus dem Grab nach drei Tagen? Wie sollte man den Bezwinger von Sünde und Tod nicht mit den Lippen loben? Wie könnte man diese freudige und glückliche Nachricht nicht teilen? Beeilen wir uns deshalb, der Welt um uns herum, den Nahen und den Fernen, den Reichen wie den Armen die Wahrheit von der Auferstehung Christi zu bezeugen, dass der Sieg des Guten über das Böse, Christi über den Teufel, des Lebens über den Tod errungen ist. Möge niemand sich entmutigen lassen, jetzt ist kein Platz für Traurigkeit. „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20), sagte der Herr den Aposteln und stärkt damit auch in uns die Gewissheit, dass Er, der Auferstandene, uns helfen wird, alle Sorgen und Ängste, Katastrophen und tödlichen Krankheiten zu ertragen. „Wer fähig ist, den Gedanken der Auferstehung tief zu verinnerlichen„, sagt der heilige Bischof Johannes Chrysostomos, „wird der sich vor dem Tod fürchten, wird der vor irgendetwas anderem erschrecken?

Noch einmal beglückwünsche ich Euch alle, meine Lieben, zum lichtstrahlenden Fest der Auferstehung Christi! Ich wünsche im Gebet, dass wir, die wir uns erfreuen am Fest des Heiligen Pascha, im wahren und rettenden Glauben gestärkt werden. Lasst uns immer daran denken, dass der wahre Sinn unseres irdischen Lebens das Leben ist, das aus dem Lebensspendenden Grab Christi hervorstrahlte. Möge Gott schenken, dass unser ganzer Lebensweg von der österlichen Freude erhellt wird und wir, wenn wir das „rettende Pascha Gottes“ hier auf Erden feiern, es auch ewig mit Christus, unserem Herrn und Erlöser, im Himmlischen Königtum feiern können. Ich rufe den Segen des Auferstandenen Herrn auf Euch alle herab und wende mich an Euch noch einmal mit dem lebensbejahenden Gruß:

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!
WAHRHAFT IST ER AUFERSTANDEN!

+ TICHON,
Erzbischof von Rusa,
Leiter der Diözese von Berlin und Deutschland

Berlin,
Ostern Christi
19. April/2. Mai 2021