An diesem Tag gedenken die Gläubigen der „Sretenia“, also der „Begegnung“, die am vierzigsten Tag nach der Geburt des Gottessohnes Christus im Tempel von Jerusalem stattfand. Damals brachten die Gottesmutter und der gerechte Josef gemäß der alttestamentarischen Regel den Neugeborenen in den Tempel. Sie mussten Gott ein Reinigungs- und Dankopfer darbringen. Der gerechte Simeon erwartete ihre Ankunft mit Ungeduld. Fast dreihundert Jahre lang kam er in den Tempel von Jerusalem und wartete auf die Erfüllung der Prophezeiung. Ihm war vorausgesagt worden, dass er erst sterben würde, nachdem er die Jungfrau gesehen hätte, die das Gotteskind geboren hatte. Ihr Kommen würde Gottes Gnade und das große Opfer bedeuten – die Hingabe seines Sohnes an die Welt. Zusammen mit Simeon erkannte auch die weitsichtige Anna, die seit langem im Tempel lebte, die Gottesmutter. Zusammen erlebten sie als Erste das, was später jede Seele erleben wird, die nach Wahrheit und Erlösung sucht – die Begegnung mit der Wahrheit. Simeon nahm das Kind in seine Arme und segnete es. So verneigte sich die Gerechtigkeit des Alten Bundes vor der Heiligkeit des Neuen Bundes.

