In der orthodoxen Kirche ist es Brauch, am Tag nach einem großen Festtag der Heiligen zu gedenken, die mit diesem heiligen Ereignis in Verbindung stehen. So ehrt die Kirche am Tag nach der Theophanie denjenigen, der der Sache der Taufe Christi gedient hat. Der Heilige Johannes der Täufer, der größte aller Propheten, beendet die Geschichte der alttestamentarischen Kirche und eröffnet das Zeitalter des Neuen Testaments. Als Verwandter Christi mütterlicherseits, Sohn des Priesters Zacharias und der gerechten Elisabeth, wurde Johannes der Täufer sechs Monate vor Jesus Christus geboren. Der Erzengel Gabriel war der Bote seiner Geburt. Er verkündete Zacharias, der lange Zeit keine Kinder hatte, dass er einen Sohn bekommen würde. Viele Jahre lang bereitete sich Johannes in der wilden Wüste durch ein strenges Leben, Fasten und Beten auf seinen Dienst vor. Im Alter von dreißig Jahren begann er zu predigen. Am Ufer des Jordans rief er alle zur Umkehr und zur Vorbereitung auf die Ankunft des Erlösers der Welt auf. Nach dem Ausdruck der kirchlichen Gesänge war Johannes der Täufer „der helle Morgenstern”, der das Erscheinen der geistigen Sonne – Christi – ankündigte. Er taufte den eingeborenen Sohn Gottes im Jordan und wurde Zeuge der geheimnisvollen Erscheinung der Heiligen Dreifaltigkeit am Tag der Taufe des Erlösers. Bald darauf starb der heilige Johannes den Märtyrertod – er wurde auf Befehl des Königs Herodes hingerichtet.
Das Fest der Theophanie (Epiphanie) ist eines der zwölf wichtigsten orthodoxen Feste und eines der ältesten in der christlichen Kirche. Seine historische Grundlage bildet die Taufe Jesu Christi im Jordan während der Herrschaft von Kaiser Tiberius, als Pontius Pilatus Präfekt von Judäa war.
Zu dieser Zeit predigte Johannes, der Sohn des Priesters Zacharias, und rief das Volk zur Buße und symbolischen Reinigung durch die Waschung im Wasser des Jordans auf. Dafür erhielt er den Namen Vorläufer und Täufer. Die Taufe Christi, der keiner Buße bedurfte, war ein Ausdruck seiner Demut und eine Heiligung des Elements Wasser, woraufhin das Wasser für die Christen zum Symbol der Reinigung und der Annahme der Gnade wurde.
Während der Taufe ereignete sich die Offenbarung der Heiligen Dreifaltigkeit: Der Sohn wurde getauft, der Heilige Geist kam in Form einer Taube herab und die Stimme des Vaters ertönte vom Himmel. Dieses Ereignis wird von allen vier Evangelisten beschrieben.
Eine Besonderheit des Festes ist die Große Wasserweihe, die am Heiligabend und am Tag der Theophanie selbst vollzogen wird. Die Tradition der Prozession zum Gewässer und das Baden im Eisloch haben symbolischen Charakter und ersetzen weder die Buße noch die kirchlichen Sakramente.


