Der Einzug des Herrn in Jerusalem
Heute gedenkt die Kirche des Einzugs des Herrn in Jerusalem.
Am Vortag vollbrachte der Erlöser ein großes Wunder – er erweckte seinen Freund Lazarus, der bereits seit vier Tagen im Grab lag, zum Leben. Die Nachricht davon verbreitete sich schnell in ganz Judäa. Am nächsten Tag machte sich Christus auf den Weg nach Jerusalem, wo er zusammen mit seinen Jüngern das Passahfest feiern sollte. Eine große Menschenmenge folgte ihm. In ihm sahen sie den verheißenen Messias, den König, den Befreier von der römischen Herrschaft, den großen Lehrer, den Propheten und den Wundertäter.
Das Volk empfing den Erlöser nach den Bräuchen jener Zeit: Man breitete Kleider vor ihm aus, begrüßte ihn mit Palmzweigen und warf diese dem jungen Esel zu Füßen, auf dem er in die Stadt ritt.
Die Kirche feiert diesen Tag feierlich und fröhlich. Die Gläubigen verbinden sich geistig mit den Einwohnern Jerusalems und begrüßen den Herrn – den Sieger über Hölle und Tod.
Doch dieses Fest hat auch eine traurige Seite. Schon in wenigen Tagen werden dieselben Menschen, die heute „Hosanna“ rufen, seine Verurteilung fordern. Der Erlöser selbst weiß um die bevorstehenden Leiden und geht, als er in Jerusalem einzieht, freiwillig dem Kreuz entgegen – einer freiwilligen Passion, wie es in den Gottesdiensttexten heißt.
Das Fest erinnert an die geistliche Verantwortung und ruft in den Tagen der Karwoche zur inneren Besinnung auf die Treue zu Christus auf. Es ist leicht, in der Nähe von Ruhm und Feierlichkeiten zu sein, aber es ist viel schwieriger, in Tagen der Trauer und der Prüfungen treu zu bleiben und Christus nicht durch Worte und Taten im Alltag zu verleugnen.
